Sozialer Wohnungsbau im Kreis Gütersloh

FWG/UWG-Fraktionsvorsitzender Johannes Sieweke mit dem Geschäftsführer der KHW GmbH Tobias Schirmer (v.l.)

Anlässlich der verschärften Situation auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere im Bereich des „bezahlbaren Wohnraums“ hat die FWG/UWG-Kreistagsfraktion zu einem Informationsabend im Kreishaus eingeladen. Als Redner stand Herr Schirmer, Geschäftsführer der kommunalen Haus und Wohnen GmbH zur Verfügung.

Einsteigend hat Herr Schirmer zunächst eine kurze Präsentation gehalten. Er stellte die KHW GmbH vor und gab eine Übersicht über den Wohnungsmarkt in Kreis Gütersloh, sowie die Herausforderungen, mit denen die KHW täglich zu tun hat. Als Unternehmen, das mit dem Leitspruch „Eine sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung für breite Schichten der Bevölkerung zu sozialverträglichen Preisen und Mieten!“ auftritt, hat die KHW 12 Mitarbeiter, 1107 Wohneinheiten und einen Umsatz von ca. 6 Millionen Euro. Die Wohneinheiten liegen vor allem im Süden des Kreises Gütersloh, mit einem Schwerpunkt in Rheda-Wiedenbrück. Es fiel auf, dass die Wohnungen zum Teil sehr alt sind, und der Bestand an neuen Wohnungen gering ist. Das liegt zum einen daran, dass in den vergangenen Jahren wenig gebaut wurde, und in Deutschland während des Wirtschaftswunders in den 1960er Jahren vergleichsweise viel gebaut wurde. Eine Rendite, so berichtete Herr Schirmer, sei nicht zwingend notwendig, da der soziale Auftrag im Vordergrund steht. Das wird auch durch die durchschnittliche Kaltmiete, die bei 4,59 €/m2 liegt.

Im Wohnungsmarkt im Kreis Gütersloh, sei durchaus eine Nachfrage gegeben, aber die zahlreichen Vorgaben machen Baumaßnahmen oft unwirtschaftlich. Ein Teil dieser Vorgaben kommt vom Land und sind eine Voraussetzung, um Fördermittel zu erhalten. Beispielsweise muss ab dem zweiten Geschoss ein Fahrstuhl vorhanden sein. Außerdem muss das Haus hohe Umweltstandards erfüllen. Begrenzen die Kommunen die Anzahl der Wohneinheiten, beispielsweise auf fünf Stück, rechnet sich der soziale Wohnungsbau nicht mehr. Hinzu kommen die aktuell hohen Grundstückspreise, die die Sachlage weiter erschweren. Herr Schirmer regte diesbezüglich einen Imagewandel an, denn auch große Wohneinheiten des sozialen Wohnungsbaus können gepflegt aussehen. Außerdem wird bei der Vergabe der Wohnungen darauf geachtet, dass keine „Ghettobildung“ gefördert wird. Als Beispiel wurde der Pestalozziweg in Rheda-Wiedenbrück angeführt.

Nach der Präsentation konnten sich die zahlreichen Teilnehmer der FWG/UWG-Kreistagsfraktion, sowie weitere interessierte Teilnehmer aus den Ortsverbänden, mit Fragen an den Herrn Schirmer wenden. In der dadurch entstehenden Diskussion wurde vor allem die oben genannten Herausforderungen eigegangen und was die Kommunalpolitik dafür tun kann, die Situation zu verbessern. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem im Bereich der Grundstücke und bei den Bauvorgaben seitens der Kommunen auf die KHW zugegangen werden könnte. Förderauflagen, wie der Zwang zu Fahrstühlen oder ausreichenden Stellplätzen, sind von den Kommunen nicht abänderbar. Auch das Entgegenkommen bei Grundstückspreisen sei möglich. Darüber hinaus wurde auch das Hamburger Modell diskutiert. Innerhalb des Modells werden Grundstücke nicht an den Meistbietenden verkauft, sondern an denjenigen, der auch sozialen Wohnungsbau in seine Projekte integriert. Ein weiterer Punkt, der von den Teilnehmern angesprochen wurde, ist die Problematik mit den Wohnberechtigungsscheinen. Es ist durchaus vorgekommen, dass Personen diesen Schein noch besessen haben, obwohl sich ihre Einkommenslage signifikant verbessert hat und sie nicht mehr berechtigt hätte, in der geförderten Wohnung zu wohnen. Herrn Schirmer ist sich dieser Problematik bewusst und hält auch seine Mitarbeiter an, auf Indizien zu achten, allerdings sind die Befugnisse beschränkt.

Insgesamt konnten sich die Teilnehmer des Termins in den eineinhalb Stunden ein Bild über die Lage im sozialen Wohnungsbau und die Arbeit der KHW machen. Dabei konnte der Appell mitgenommen werden, dass die KHW auf ein Entgegenkommen der Kommunen im Bereich der Grundstückspreise und der Bauvorgaben, sowie eine verbesserte Kommunikation angewiesen ist, da sich die Projekte ansonsten nicht rechnen oder realisieren lassen.

Zurück